Fahrradfahren mit Epilepsie – mit dem Tandem Pino E

20.03.2026
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Freiheit, die bleibt – auch wenn das Leben unplanbar ist

Manche Einschnitte teilen ein Leben in ein Davor und ein Danach. Für die Familie Kriemann war es der Tag, an dem ihre Tochter Mia mit vier Jahren die Diagnose Leukämie bekam. Von einem Moment auf den anderen drehte sich alles um Behandlungen, Hoffen und Durchhalten.

Die Ärzte können den Krebs besiegen. Doch die Therapie hinterlässt Spuren. „Die Chemotherapie hat mehrere Hirnareale geschädigt“, erzählt Mias Mutter Maike. „Das führte zu einer kognitiven Einschränkung und zu Epilepsie.“

Heute ist Mia elf Jahre alt. Sie lernt, lacht, entdeckt die Welt – in ihrem eigenen Tempo. Wahrnehmen, Verarbeiten, Erinnern: Viele dieser Prozesse sind für sie deutlich anstrengender als für andere Kinder in ihrem Alter. Dazu kommen die epileptischen Anfälle. Manchmal bleibt fast ein Jahr alles ruhig, dann häufen sie sich plötzlich wieder. Im Extremfall bis zu zehn am Tag. Für ihre Familie bedeutet das: immer aufmerksam sein, flexibel bleiben, nie ganz planen können.

Ein aktives Kind mit großem Entdeckerdrang

Trotz aller Herausforderungen ist Mia vor allem eins: ein lebensfrohes Kind. Sie liebt Ausflüge zum Spielplatz, kleine Touren durch die Nachbarschaft und ganz besonders die Bücherei. Alle zwei Wochen stöbert sie dort mit ihrer Mutter durch die Regale und kommt mit einem Stapel Kinderbücher nach Hause. Geschichten sind ihre große kleine Welt.

Mobilität war dabei lange ein limitierender Faktor. Selbstständig Fahrrad fahren ist für Mia wegen ihrer Koordinationsschwierigkeiten kaum möglich. Und die ständige Gefahr eines epileptischen Anfalls machte jede Fahrt auf zwei Rädern zu einem Risiko.

„Wir waren komplett aufs Auto angewiesen“, sagt Maike. „Spontan irgendwo anhalten, einfach losradeln – das war für uns unvorstellbar.“ Bis die Familie unser Pino E kennenlernt.

Entdeckt wurde unser Tandem vom Verein „Hilfe für krebskranke Kinder“ aus Vechta. Dieser Verein setzt sich mit großem Engagement für betroffene Kinder und ihre Angehörigen ein. Er stellte nicht nur den Kontakt zu uns her, sondern übernahm auch einen Teil der Kaufsumme.

Sicher unterwegs. Auch mit besonderen Bedürfnissen

Das Pino E ist kein gewöhnliches Tandem. Auf dem Vordersitz sitzt Mia, gut angeschnallt, die Füße in speziellen Pedalen fixiert. Sollte ein Anfall auftreten, bleibt sie sicher in Position. Für ihre Eltern ein riesiger Unterschied.

Mia selbst genießt vor allem eines: das Gefühl, wirklich dabei zu sein.

„Schon bei der ersten Probefahrt wollte sie gar nicht mehr absteigen“, erzählt Maike. „Der Fahrtwind im Gesicht, selbst mittreten, die Umgebung erleben – das bedeutet für sie Freiheit.“

Und genau darum geht es. Nicht nur transportiert werden, sondern Teil der Bewegung sein. Aktiv mitfahren. Dazugehören.

Mehr als Mobilität: ein Stück Normalität

Auch für Maike und ihren Mann Stefan hat sich der Alltag verändert.

„Wir können jetzt viele kürzere Strecken ohne Auto zurücklegen. Das gibt uns so viel mehr Flexibilität“, sagt Stefan. „Und vor allem gemeinsame Momente, die sich leicht anfühlen – nicht wie Organisation, sondern wie Leben.“

Ein Eis holen, spontan zum Spielplatz, ein Abstecher zur Bücherei – Dinge, die für viele Familien selbstverständlich sind, werden mit dem E-Tandem wieder möglich.

Das Pino E ist für die Kriemanns nicht einfach ein Fahrrad. Es ist ein Stück Unabhängigkeit. Eine sichere Lösung für ein Kind mit besonderen Bedürfnissen. Und ein Weg, trotz medizinischer Unsicherheiten aktiv zu bleiben.

Und manchmal ist genau das die größte Freiheit.

Vater und Kind mit Epilepsie fahren auf einem Tandem

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