Fünf Jahre nach ihrer Leukämie-Erkrankung ist für Lisanne Wagner nichts mehr wie früher. Die Therapie war intensiv: Chemotherapie, Stammzellentransplantation, große Hoffnung. Doch ihr Körper hat die transplantierten Stammzellen nicht akzeptiert. Es kam zu einer schweren Abstoßungsreaktion.
Seitdem ist vieles anders. Lisanne hat Lähmungen in beiden Armen. Den rechten Arm kann sie ein wenig strecken und beugen, der linke ist vollständig gelähmt. Zudem ist ihre Halswirbelsäule instabil, sodass sie nur eingeschränkt gehen kann. Sie ist dauerhaft auf ein Beatmungsgerät angewiesen. Es gibt keine Prognose, ob sich ihr Zustand noch einmal grundlegend verbessert.
Hinzu kam ein untypischer Krankheitsverlauf mit einer sehr starken Anämie, durch die sie extrem geschwächt wurde. Ihr Körper hatte kaum Kraft. Mit jeder neuen Einschränkung wurde klarer, dass ein Leben wie zuvor nicht mehr möglich sein würde.
Radfahren war immer ein Teil von ihr.
Lisanne kommt aus einer fahrradbegeisterten Familie. Die Räder waren im Urlaub immer dabei. Bewegung draußen, Strecke machen, einfach losfahren – das gehörte zu ihr.
Nach der Stammzellentransplantation hatte sie sich sogar ein Gravelbike gekauft. Um wieder zu trainieren, wieder überall zu fahren und zurück in ein aktives Leben zu finden.
Doch dann begann die Abstoßung. Erst traten kleine Lähmungserscheinungen auf, dann immer mehr. Irgendwann ging es nicht mehr. Fahrradfahren war plötzlich unmöglich.
„Ich habe die Person vermisst, die ich einmal war“, sagt sie heute.
Im Lastenrad oder auf dem Tandem konnte sie zwar noch mitfahren. Aber sie war abhängig. Sie saß zwar mit drauf, fuhr aber nicht selbst.
Ein Dreirad, das sich nicht wie ein Kompromiss anfühlt
Ein Sanitätshaus brachte sie schließlich auf ein Dreirad für Erwachsene: das Kettwiesel ONE.
Beim ersten Termin in unserem Schaltwerk in Waltrop wurde schnell klar, dass eine Lösung von der Stange nicht ausreicht. Lisanne kann ihre Hände nicht nutzen, ihr Oberkörper ist nur eingeschränkt stabil und sie ist auf ein Beatmungsgerät angewiesen.
Also haben wir das Kettwiesel ONE für sie angepasst:
- Schulterlenkung statt klassischem Lenker
- eine speziell entwickelte Kniebremse mit Klappmechanismus
- individuelle Bauteile aus dem 3D-Drucker
- eine große Hecktasche für das Beatmungsgerät und Einkäufe
„Das Team hat für wirklich jedes Problem eine Lösung gefunden“, fasst Lisanne zusammen.

Wieder selbst fahren. Wieder selbst entscheiden.
Heute setzt sich Lisanne auf ihr Dreirad und fährt los. Ohne geschoben oder wie ein Gepäckstück transportiert zu werden. „Mit dem Kettwiesel fühlt es sich an, als wäre man mit einem normalen Fahrrad unterwegs“, erzählt sie.
Dank der guten Federung ist sie auch auf unebenen Wegen sicher unterwegs. Bei Radtouren mit der Familie oder Freunden kann sie problemlos mithalten und fährt oft sogar voraus. Das Dreirad für Erwachsene gibt ihr Stabilität, ohne sich schwer oder behäbig anzufühlen.
Es verändert auch, wie andere sie sehen: „Im Rollstuhl bekomme ich oft mitleidige Blicke. Auf dem Kettwiesel werde ich ganz anders wahrgenommen. Die Leute merken gar nicht, dass ich meine Hände nicht benutze.“
Mehr als Mobilität
Ganz nebenbei trainiert das Radfahren ihre Beine, das Gehen fällt ihr wieder leichter. Vor allem aber ist etwas zurückgekehrt, das lange gefehlt hat: Freiheit und Lebensfreude.
„Ich setze mich auf das Rad und fahre los“, sagt Lisanne. „Das Kettwiesel ONE macht mich glücklich. Es hat mein Leben verändert.“

Storys für euch mit uns
Viel Freude mit den Geschichten über eure Erlebnisse mit unseren Rädern,
über Hase Bikes-Events in Waltrop und dem Rest der Welt
und über Lebensfreude, Bewegungsfreiheit und überwundene Grenzen.

Radfahren mit Lähmung in den Armen: Lisannes Kettwiesel ONE mit Schulterlenker

Fahrradfahren mit Epilepsie – mit dem Tandem Pino E


