Manche Ideen entstehen nicht lange im Voraus. Sie sind plötzlich da.
„Ich war mit meinem Sohn Lars unterwegs und überlegte, was wir mit diesem Fahrrad alles machen könnten“, erzählt Colin MacDonald. „Ich wollte schon immer wieder zum Mont Ventoux. Beides zu verbinden, war die perfekte Lösung.“
Das Fahrrad, von dem er spricht, ist ein Pino. Vorne sitzt Lars, hinten Colin. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu einem der berühmtesten Berge des Radsports.
Duchenne verändert den Alltag – aber nicht den Wunsch, gemeinsam unterwegs zu sein
Lars ist neun Jahre alt und lebt mit Duchenne-Muskeldystrophie (DMD), einer schweren fortschreitenden Muskelerkrankung. Duchenne betrifft alle Muskeln des Körpers. Lars konnte bis zu seinem siebten Lebensjahr laufen. Dann stürzte er eines Tages und konnte weder laufen noch stehen.
Heute ist er vollständig auf seinen Rollstuhl angewiesen und benötigt rund um die Uhr Unterstützung: beim Aufstehen, Anziehen, Duschen oder auf der Toilette. Seine Arme kann er noch benutzen, allerdings nur eingeschränkt.
Umso wichtiger sind für die Familie die Momente, in denen nicht die Krankheit den Alltag bestimmt.
Genau dort beginnt für sie die besondere Rolle des Pino.
„Das Pino hat uns die Freiheit gegeben, als Familie überall und jederzeit Rad zu fahren. Nicht nur für Lars, sondern gemeinsam mit ihm“, sagt sein Vater.
Gemeinsam fahren statt nebeneinander
Das Besondere am Pino zeigt sich unterwegs sofort: Lars sitzt vorne, tritt mit und erlebt jede Kurve, jede Unterhaltung und jede Veränderung der Landschaft direkt mit.
Für Colin macht genau das den Unterschied. „Wir fahren als Team.“
Dass Lars die gesamte Strecke auf den Mont Ventoux mittreten würde, war keineswegs selbstverständlich. Doch genau das passierte. Vom Start bis zum Gipfel blieb er aktiv dabei – etwas, das laut seinem Vater auf keinem anderen Fahrrad möglich gewesen wäre.
Training in den Niederlanden – mit virtuellen Bergen
Die Vorbereitung auf den Ventoux begann lange vor der Reise nach Südfrankreich.
Colin fährt regelmäßig 400 bis 500 Kilometer pro Woche. Da die Familie in den Niederlanden lebt, finden sich dort allerdings nur wenige echte Anstiege. Deshalb verlagerte er sein Bergtraining auf die virtuelle Trainingsplattform Rouvy.
„Bei manchen Anstiegen habe ich den Realitätsgrad auf 130 bis 140 Prozent erhöht“, erzählt er. „Die Ventoux-Strecke bin ich dort mehrmals gefahren.“
Die größte Herausforderung war am Ende aber nicht der Berg selbst. Sondern die Frage, wie Lars’ Rollstuhl transportiert werden kann. Denn sobald er nicht auf dem Pino sitzt, braucht er ihn.
Ein Tag, den die Familie nicht vergessen wird

Am Morgen der Auffahrt lag der Mont Ventoux zunächst noch in den Wolken. Doch mit jedem Kilometer wurde das Wetter besser. Schließlich konnten Vater und Sohn im Kurzarmtrikot weiterfahren.
Unterstützt wurden sie dabei von Familie und Freunden: Lars’ Großvater kam mit nach Frankreich, um die Fahrt mitzuerleben. Freunde begleiteten die beiden auf dem Rad den Berg hinauf. Lars’ Mutter organisierte die Reise, brachte Lars‘ Rollstuhl mit dem Auto auf den Berg, hielt unterwegs für Fotos an und kümmerte sich um alles, was nicht am Fahrrad befestigt werden konnte.
Für Lars selbst gab es am Ende einen ganz klaren Höhepunkt: die Abfahrt.
Mit einem breiten Grinsen raste er vorne auf dem Pino den Berg hinunter – mit bis zu 60 km/h.

Mehr als Mobilität
Die Familie engagiert sich seit Jahren für das Duchenne Parent Project und sammelt Spenden für Forschung und bessere Behandlungsmöglichkeiten. Unter anderem bei „Duchenne Heroes“, einer siebentägigen Mountainbike-Tour durch die Ardennen.
Doch bei ihrer Fahrt auf den Mont Ventoux ging es um noch mehr.
„Wir möchten zeigen, dass man auch in dieser Situation hinausgehen und das Leben genießen kann“, sagt Colin MacDonald. „Trotz Rollstuhl und eingeschränkter Mobilität kann man die Welt erkunden und die Freiheit spüren, die Radfahren mit sich bringt.“

Storys für euch mit uns
Viel Freude mit den Geschichten über eure Erlebnisse mit unseren Rädern,
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Gemeinsam auf den Mont Ventoux – das Pino verbindet Vater und Sohn

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